Die Künstler*innen der galerie-stiz

Michael Turza

Malerei

„Kunst ist die geronnene Spur menschlicher Verhaltensweisen“

Mit ausladenden Schwüngen dickflüssiger Ölfarbe baut Michael Turza komplexe Oberflächen auf – die Motive sind abstrakte Portraits.

Die Herausforderung zum Malen liegt für den Hagener Künstler stets greifbar nah: Es sind keine Zustände, sondern Szenen, Situationen oder Momente, die ihn bewegen oder die er einfach nur wahrnimmt – und zwar meist ganz alltägliche.

Erlebtes, Gesehenes und Gefühltes führen ihn zu seiner Profession, zur Auseinandersetzung mit malerischen Problemen. Und so ist es auch die Malerei an sich, die Michael Turza interessiert. Er hat Spaß an der Farbe. Er malt der Malerei zuliebe. Das fertige Bild ist für ihn somit nicht ausschlaggebend. Der Weg dahin ist vielmehr das Ziel. Die ersten Pinselstriche sind für ihn immer die aufregendsten.

Michael Turza, Portrait

MICHAEL TURZA

Bildnis Julia
30 x 90 cm
Preis: 3500 Euro
Bildnummer: 512
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Maiko
80 x 120 cm
Preis: 4000 Euro
Bildnummer: 513
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Eves Bildes
30 x 40 cm
Preis: 2000 Euro
Bildnummer: 514
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Studie für eine Geisha
50 x 100 cm
Preis: 3500 Euro
Bildnummer: 515
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„Women“
50 x 100 cm
Preis: 3200 Euro
Bildnummer: 516
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Pastellzeichnung „junge Frau“
35 x 43 cm
Preis: 400 Euro
Bildnummer: 517
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„Bildnis Herma“
30 x 90 cm
Preis: 3500 Euro
Bildnummer: 518
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„Bildnis Herma“ 3 D
30 x 90 cm
Preis: 3500 Euro
Bildnummer: 000
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Studie Bleistift/Marker, 2018
Preis: 200 Euro
Bildnummer: 520
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Michael Turza wurde 1954 in Gelsenkirchen geboren. Er lebt und arbeitet seit 1987 als Autodidakt in Hagen. Ein Gaststudium an der Dortmunder Fachhochschule für Design in den Jahren 1987 bis 1989 führte ihn zu der Entscheidung, freier Maler zu werden. Er studierte dort in der Klasse von Professor Ulrich Härter. Begegnungen mit dem damaligen Gastdozenten und Künstler David Stern überzeugten und prägten ihn maßgeblich. Der kompromisslose Anspruch Sterns war von entscheidender Bedeutung für Turza.

Michael Turza möchte mit seinen Bildern keine Botschaften vermitteln, das wäre ihm zu psychologisch überladen. Er möchte aber auch keine intellektuellen Aussagen treffen oder gar Geschichten erzählen, sondern einzig und allein Eindrücke wiedergeben. Der mentale Zustand ist Michael Turza wichtig. Daher ringt er stets mit sich und der Leinwand, um diesen Zustand künstlerisch einzufangen. Seine Bilder sind also philosophisch! Michael Turza trifft keine Aussage, außer: „Ich male!“ Seine geistigen Väter sind David Stern und Frank Auerbach. Auch sie sind konsequente Arbeiter – und das ist Michael Turza auch. Durch sie lernte er die künstlerische Bewegung der „School of London“ kennen, die sich in den 1950er- Jahren in London bildete und Künstler zusammenfasst, die sich in der Nachkriegszeit mit expressiv-figurativer Malerei einen Namen gemacht haben. Künstler wie Francis Bacon, Lucian Freud und David Hockney fanden damals zu einer neuen Form des Realismus, die Michael Turza sofort begeisterte und ihr seitdem nacheifert, ohne sie jedoch nachzuahmen. In sehr kritischer Auseinandersetzung und einem sicherlich quälenden Prozess bezieht er seine Kunst auf diese Vorbilder, hat aber dabei seinen ganz eigenen Weg eingeschlagen und eine Nische für sich gefunden.

Die Eindrücke, die Michael Turza mit seinen Bildern wiedergibt, sind natürlich sehr intime Psychogramme – und so soll es auch sein. Jeder Betrachter der Bilder kann sie selbst für sich sehen oder interpretieren. Signaturen sind für ihn daher auch nicht wichtig, niemals signiert er seine Werke auf der Vorderseite, immer nur auf der Rückseite.

Malte Michael Turza anfangs überwiegend Landschaften, markante Orte oder auch thematisch angelegte Bilder wie die Serie „Afrika“, so verschob sich im Jahre 2008 sein Schwerpunkt und das Portrait rückte in den Vordergrund seiner Arbeit. Der vertraute Kreis der Familie und nahestehende Personen spielen hier eine große Rolle – jedoch nicht ausschließlich. Auch ganz anonyme menschliche Szenen sind es manchmal, die ihn zum Malen animieren. Am liebsten malt er aber Personen, die ihm sehr nahestehen. Dabei orientiert er sich an Zeichnungen, Fotos oder Erinnerungen. Er versucht sich tief in seine Modelle hineinzuversetzen, um so seine eigene sinnliche Wahrnehmung zu erfassen. Und dann malt er wie er sie sieht und wahrnimmt. Ein Initialbild ist das 2012 entstandene Portrait „Herma“ – ein schmales Hochformat mit pastos aufgetragenen Farbschichten.

An dem Bild wird klar: Vom ersten Pinselstrich ausgehend folgt ein langer künstlerischer Weg. Unzählige Farbschichten, pastos aufgetragen, schaffen eine starke und schluchtenreiche Reliefstruktur auf dem Werk. Darin kann sich der Betrachter wie in einem Labyrinth verlieren. Dick und schwer sind die mit meist vehementem Strich aufgetragenen Schichten der Farbe. Sie erzeugen Spannung und Dramatik. Sie bilden besondere Lichtreflexe. Und sie schaffen eine „flächige Tiefe“. Das heißt, die Bilder haben keine räumliche Tiefe, die Tiefe entsteht vielmehr durch Ausdruck und Auseinandersetzung.

Und so gilt es für all seine Bilder: Michael Turza probiert, komponiert und experimentiert mit Farbe. Das Material mit dem er arbeitet ist für ihn das Wesentliche und gleichzeitig lebendige Materie. Dazu ist zu bemerken, dass Michael Turzas Farben meist nicht aus der Tube stammen. Sie sind fast immer selbst gemacht. Das unterstreicht die Unmittelbarkeit des Materials Farbe.

Im spontanen Malakt, ohne kompositionelle Normen, artikuliert sich Michael Turzas Malprozess. Stets hat er mehrere Bilder gleichzeitig in Arbeit. Entscheidend für die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Bild ist die jeweils persönliche Stimmung des Malers. Die Möglichkeit, sich in die Magie des Erlebten, Gesehenen oder Gefühlten zurückzuversetzen, also in den Augenblick, der zur Entstehung eines Bildes führte, spielt dabei eine große Rolle. Sie birgt aber auch ein großes Risiko. Denn es kann passieren, dass ein Bild komplett verloren geht und es von vorne gemalt werden muss. Das Bild wird immer wieder überarbeitet und ist abhängig von unterbewusst und bewusst gesteuerten Handlungen des Malers. Michael Turza hält stets an der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit fest, deren Abbild ihm jedoch nicht einfach zufällt, sondern in langen Arbeitsprozessen errungen werden muss. Rationalität und Irrationalität halten sich hier die Waage. Fertig oder manchmal auch nur fast fertig ist ein Bild für den Künstler, wenn es die optimale atmosphärische und farbliche Dichte hat. Das Wesentliche ist und bleibt für ihn die Farbe: als Kolorit und überwiegend als Körper.

Über seine Bilder präsentiert Michael Turza ganz persönliche Stimmungen, Beziehungen und Situationen aus seinem Leben. Sie sind wie schon gesagt vollkommen intime Psychogramme. Und natürlich regen sie so Geist und Gefühl an – wozu auch immer, das bleibt jedem selbst überlassen. Michael Turza selbst ist gerne alleine und eher ein Einzelkämpfer, manchmal melancholisch, oft in „heiterer Verzweiflung“, wie Francis Bacon solch einen Zustand einmal für sich bezeichnete. Doch er ist auf jeden Fall Menschen und dem Leben zugewandt. Er liebt das Leben – aber er genießt es lieber mit ein wenig Distanz.

Ganz wichtig ist ihm seine ethische Haltung: „Jeder Mensch ist unbedingt zu achten. Dass ich Menschen malen darf, weiß ich zu schätzen. Selbstverständlich darf niemand dabei zu Schaden kommen und ich freue mich, wenn ich mit der Malerei jemandem etwas geben kann.“ Daraus ergibt sich fast von selbst, dass Michael Turza es sich niemals leichtmacht. Ganz im Gegenteil: Er ist sehr kritisch mit sich selbst, immer im Zwiespalt, ständig kämpft er. Seinen Arbeiten liegt eigentlich immer eine quälende Auseinandersetzung zugrunde.

„Kunst ist die geronnene Spur menschlicher Verhaltensweisen“ – Mit dieser Definition aus der Kunstpsychologie beschrieb Michael Turza selbst einmal seinen Kunstbegriff.

Kunst ist für Michael Turza aber auch eine Reise ins Ungewisse – frei nach dem Motto von Pina Bausch: „ …weiterzuarbeiten, ohne zu wissen, ob man auf dem richtigen Weg ist“.

Birgit Andrich M.A.
Kunsthistorikerin